Die Geburt einer indianischen Schamanentrommel

Erstes Ritual. In dem Moment, wo mir das Fell überreicht wird, begebe ich mich in den Wald, mache dort ein Ritual für das verendete Tier, entschuldige mich für seinen Abgang und bitte ich ihm bei uns zu bleiben. Dieses Ritual hat den Zweck, den Geist des Tieres in die zukünftige Trommel zu binden.
Anschließend verarbeite ich das Fell zwei Wochen lang mit Stoffen und Materialien, die ausschließlich in der Natur vorkommen. Zeitgleich  erzeuge ich den Holzrahmen.

Zweites Ritual. Beim Spannen der Trommel beschalle ich das noch nasse Werkstück mit Flöten, Panflöten und meiner eigenen Schamanentrommel, wobei eigene Lieder und Rhythmen aus meiner Heimat am Titikaka See in Peru verwendet werden. Damit bereite ich die Trommel in seine zukünftige Rolle als schamanisches Werkzeug vor.

Drittes Ritual. Ist die Trommel einmal trocken, muss ich ihr neues Leben einhauchen. Wieder begebe ich mich in den Wald, wo der Geist des Tieres während eines Rauchrituals geweckt wird. Erst dann darf sich das Musikinstrument Schamanentrommel nennen.
Nun möchte das Kraftobjekt in meiner Hand sich selbst zu erkennen geben, dafür braucht sie die andere Hand des Schamanen: sie wird die wichtigsten indianischen Rhythmen aus meiner Heimat spielen, so lange wie sie sich mir mit ihrem wahren Namen manifestiert, womit sie auch getauft wird.

  
Carlos Escobar Pukara in seiner Heimat
am Titikaka See

Viertes Ritual. Wenn die Trommel den Besitzer wechselt, kommt (bei Bedarf) eine Übergabezeremonie mit einem Ritual für Pachamama. Die Trommel erkennt ihre neue Bezugsperson und verlässt seine ursprüngliche Heimat in der Südsteiermark.

Euer Carlos